Wildkatze (Felis silvestris silvestris) - Tier des Jahres 2018

Die Deutsche Wildtier Stiftung kürte die Wildkatze (Felis silvestris silvestris) zum Tier des Jahres 2018. Die Wildkatze war aus ihren angestammten Lebensräumen fast verschwunden. In den letzten Jahren konnte eine Rückkehr der Wildkatze beobachtet werden.

Ebenso wie unser gehegtes Niederwild ist die Wildkatze auf hecken- und gehölzreiche Kulturlandschaften aber auch besonders auf naturnahe Wälder angewiesen; zum Überleben benötigt sie zudem großflächige zusammenhängende Waldgebiete und naturnahe Wiesenflächen. Die Wildkatze nutzt Baumhöhlen, Totholzhaufen oder ehemalige Dachs- und Fuchsbaue wo sie den Tag verbringt. Die Wildkatze ist ein scheuer Einzelgänger; ihr streifgebiet ist groß und da sie stets auf Deckung bedacht ist kann man sie nur selten beobachten. Die Deutsche Wildtierstiftung stuft die Wildkatze als immer noch gefährdet ein, da ihr vergleichbar zum Niederwild vor allem Hecken, Feldgehölze und Dickungen in unserer Kulturlandschaft fehlen. Querungsmöglichkeiten im dichten Straßennetz, um zwischen Waldgebieten wandern zu können würde ihre Ausbreitung unterstützen (1).

Das Streifgebiet der Kater ist mit 1.500 bis 3.000 Hektar in etwa so groß wie das unseres Rotwildes. Es umfasst das mehrerer weiblicher Katzen, die mit 300 bis 800 Hektar deutlich kleinere Räume nutzen. Während Katerstreifgebiete große Überlappungsbereiche aufweisen, nutzen Kätzinnen ihre Reviere exklusiver; sie grenzen sich strenger von anderen weiblichen Aktionsräumen ab.

 

In Deutschland kommen Wildkatzen vor allem in der Mitte und im Südwesten vor. Aber eigentlich kann man überall in Mittelgebirgslagen mit ausgedehnten, deckungsreichen Waldungen mit ihr rechnen. Gegenden mit gesichertem Vorkomme, wie dem Bayrischen Wald, dem Harz, dem Taunus, der Eifel, dem Pfälzer Wald, dem Hunsrück, dem Vogelsberg, Thüringen und auch dem Hessischen Bergland hält sie sich gerne auf sonnenseitigen Hanglagen mit nahrungsreichen Schlagflächen auf (2). Weitere Information zum Verbreitungsgebiet in Europa findet sich unter (3).

 

Ende August beginnt sich bei Wildkatzen das Winterfell zu entwickeln. Dieses weist fast doppelt so viele Haare auf wie ihr Sommerkleid, auch sind sie länger ausgebildet. Männliche Wildkatzen, auch Kuder genannt, unterbrechen lediglich zur Paarungszeit das ansonsten ganzjährig gelebte Einzelgängerdasein. Danach trennen sich ihre Wege wieder, denn die Aufzucht der Jungen liegt alleine in der Obhut der Weibchen.

 

Wildkatzen haben eine Tragzeit von 63 bis 69 Tagen. Zwischen Frühjahr und Herbst gebären sie durchschnittlich zwei bis vier, allerhöchstens sechs Junge pro Wurf. Anfangs sind diese blind und völlig von ihrer Mutter abhängig. Leider überleben nur etwa die Hälfte der jungen Wildtiger das erste Lebensjahr. Die Jungkatzen sind Beutetiere von Uhu, Habicht, Fuchs und Luchs, während Alttiere lediglich bei Luchs und Wolf ins Beuteschema passen. Häufig wechselt die Mutter das Quartier, um dadurch besseren Schutz vor Feinden zu wahren. Auf dem Speiseplan der Waldkatzen stehen in erster Linie Mäuse. Ebenso vertilgen sie Kleinvögel, Reptilien, Kaninchen und Insekten, während pflanzliche Nahrung auf der Beliebtheitsskala ganz hinten angesiedelt ist.

 

Im Alter von ungefähr sechs Wochen werden die Katzenjungen neben Muttermilch auch mit fester Nahrung gefüttert und nach vier Monaten langsam entwöhnt. Im Sommer begleiten sie ihre Mutter bereits bei ihren nächtlichen Streifzügen auf Beutefang. Schneereiche Winter können für sie problematische Züge annehmen, da ihre bevorzugte Beute, nämlich Mäuse, dann oftmals für sie unerreichbar bleiben. In Freiheit erlangen Wildkatzen ein durchschnittliches Alter von 7 – 10 Alter Jahren. Geschlechtsreif werden Wildkatzen mit 10 Monaten.

 

Das dichte und im Winter lange Fell ist grau mit gelblichem Unterton und einer eher verwaschenen, oftmals kaum sichtbaren Tigerzeichnung beim erwachsenen Tier. Junge Wildkatzen weisen dagegen eine sehr viel kontrastreichere Zeichnung auf. Markant ist der buschige Schwanz mit 2-3 dunklen Ringen und einem auffällig stumpfen, dunklen Ende. Von der Stirn ziehen sich maximal sechs dunkle Streifen zwischen den Ohren bis in den Nacken. In der Rückenmitte verläuft der Aalstrich, eine dunkle Linie.

 

Die Deutsche Wildtierstiftung weist darauf hin, „dass Wildkatzen kaum größer als Hauskatzen seien, durch ihr längeres Fell, besonders im Winter, würden sie aber meist kräftiger wirken. Wichtigstes Unterscheidungsmerkmal zwischen Wildkatzen und wildfarbenen Hauskatzen sei der dickere Schwanz der Wildkatze, der weniger Ringe aufweise als der von Hauskatzen und auffällig stumpf ende. Außerdem ende der dunkle Aalstrich auf dem Rücken bei Wildkatzen bereits an der Schwanzwurzel - bei wildfarbenen Hauskatzen erstrecke er sich über den gesamten Schwanz. Aufgrund einer starken Zeichnung sind sehr junge, unselbstständige Wildkatzenwelpen häufig nicht sicher von wildfarbenen Hauskatzenwelpen zu unterscheiden. Im Freiland falle aber auch das Verhalten der Wildkatze sofort auf: Sie ist sehr scheu und meide die Nähe zum Menschen strikt“ (4).

 

Dennoch finden sich Berichte dass Wildkatzen von vermeintlichen Tierschützern oft versehentlich für Hauskatzen gehalten und aus ihrem natürlichen Lebensraum entfernt werden. Solche gut gemeinten Rettungsaktionen können für die Tiere schlimme Folgen haben.

Eine sehr schöne Fotoserie findet sich hier.

 

(1) Tier des Jahres Deutsche Wildtier Stiftung
(2) Blase, Die Jägerprüfung, 27. Auflage 2.2.360 S. 252
(3) Rettungsnetz Wildkatze BUND
(4) Profil der Wildkatze, Deutsche Wildtier Stiftung

 

 

 

Erstellt am 02.01.2018
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