Stadtjäger Modul 5 und 7 abgeschlossen Ausbildung

Modul 7: Fallen für die Fangjagd im befriedeten Bezirk
Modul 5: Vergrämen, Fangen und andere Jagdarten im Siedlungsraum

Nach dem Einführungsseminar im Oktober 2016 trafen sich die Wildtierschützer am 18. und 19. März zu zwei weiteren Modulen der Weiterbildungsreihe „Der Stadtjäger (JNWV-BW)“. Die beiden Module standen unter dem Schwerpunkt von Bejagungsstrategien im urbanen Bereich.

 

Bei der Firma Fallenbau Weißer in Schramberg hatten die angehenden Stadtjäger die Möglichkeit eine Vielzahl verschiedener Fallen und Abfangkisten kennen zu lernen. Uwe König führte in das Thema ein und erklärte welche Fallentypen bei ihm in der Stadt und im Landkreis München im Einsatz sind. Fachkundig erklärte Klaus Weißer wie die Fallen funktionieren, wofür diese besonders gut geeignet sind und weshalb diese gerade so (und nicht anders) konstruiert und gebaut wurden bzw. werden. Interessant waren auch die Ideen wie bestimmte Fallen weiter entwickelt werden könnten. Uwe König hatte auch Fallen anderer Hersteller  mitgebracht. So konnten die Teilnehmer, die verschiedenen Bauweisen und Materialien aus denen die Fallen gefertigt wurden miteinander vergleichen.

 

Da in der Stadt der Einsatz der Schusswaffe fast immer nur die letzte Möglichkeit darstellt wurde die kombinierte Verwendung von Falle und Abfangkiste sehr intensiv besprochen. Alle Teilnehmer übten an den Fallen und den Abfangkisten deren praktische Handhabung einschließlich der Verwendung der conibear Fallen, die Fa. Weißer in 4 verschiedenen Größen entsprechend der Größe der Falle oder Abfangkiste anbietet. Runde conibear Fallen hatte Uwe König mitgebracht, die vielen Teilnehmern unbekannt waren. 

 

Abends trafen sich die meisten Teilnehmer in einem nahegelegenen Hotel in Königsfeld zum Ideenaustausch beim Abendessen; ein gelungener Ausklang dieses Seminartages.

 

Nach einem gemeinsamen Frühstück im Hotel startete man in das Modul, das sich um die Möglichkeiten der Vergrämung und der Jagdarten im Siedlungsraum drehte. Uwe König schilderte aus seiner Tätigkeit wie ganz praktisch ein Auftrag von ihm und seinen Mitarbeitern bearbeitet wird. Ganz wichtig ist, dass die „Betroffenen“ Privatpersonen oder Unternehmen verstehen welche Möglichkeiten und Grenzen es gibt und das Gefühl bekommen, dass sie beim Stadtjäger in den richtigen Händen sind und dass wir Stadtjäger auf jeden Fall alles was im Rahmen des Tierschutzes möglich ist tun werden, um ein Problem zu lösen. Denn häufig haben die „Betroffenen“ einen längeren Weg hinter sich, einen kompetenten Ansprechpartner zu finden.

 

Wichtig ist, dass man sich zunächst ein Bild vom Tatort macht, den oder die Verursacher identifiziert und dann mit den Betroffenen entscheidet was man unternehmen kann. Vergrämen ist immer eine der Möglichkeiten. Dabei hat man aber noch viel zu wenig Erfahrung über die Reviergrößen der verschiedenen Wildtiere in der Stadt, die wohl auch durch unterschiedliche Bebauung signifikant unterschiedlich sein können.  Das Wissen aus der Arbeit in den nach Jagdrecht bejagbaren Revieren nützt dabei dem Stadtjäger nichts. Als erste Maßnahme können die Betroffenen selbst Ultraschallgeräte aufstellen, was häufig eine günstige Lösung des Problems ist.

 

Kommt die Fallenjagd in Betracht so benötige man vor allem Zeit. Ein kurzfristiger Erfolg sei nicht zu erwarten. Häufig stehen die Fallen mehrere Wochen bis diese angenommen werden. Aufträge, die unter Zeitdruck stehen sollte man keinesfalls annehmen. Als Lockmittel eignen sich in der Wohnbebauung vor allem Duftstoffe und geringe Mengen Köderstoffe, die nicht verderblich sein dürfen. Bei Publikumsverkehr sollten die Lockmittel nicht erkennbar sein. Verderbliche Lebensmittel sind ebenso ungeeignet wie alles was Aufmerksamkeit erregen könnte. Die Fallen sollten alle mit Fangmeldern ausgestattet sein. Dies hat den Vorteil, dass das täglich zweimalige Kontrollieren entfällt und die Fallen ohne Beunruhigung stehen können. Man muss beachten, dass der Mensch häufig die beste Vergrämungsmethode darstellt.  Nach dem ersten Fang bleiben die Fallen häufig für weitere Fänge stehen.

 

Ist ein Tier gefangen, so muss dieses nach den Vorschriften des Tierschutzgesetzes behandelt werden. Leiden der Tiere ist in jedem Fall zu verhindern. So wurden der Transport lebender Tiere und das Abfangen besonders unter den Aspekten kranker Tiere besprochen. Sämtliche zum Transport und zur Tötung der kranken Tiere sind aus Seuchenschutz getrennt von normalen jagdlichen Utensilien zu halten, zu reinigen und zu desinfizieren. Der Selbstschutz mit Handschuhen, Atemmasken und ggf. Schutzkleidung darf dabei nicht außer Acht gelassen werden.

 

Als Vertreter des Deutschen Falkenordens, Bund für Falknerei, Greifvogelschutz und Greifvogelkunde e.V (DFO) berichtete Stephan Wunderlich (Stellv. Geschäftsführer) über die Möglichkeiten und Grenzen der Beizjagd im urbanen Bereich zur Vergrämung und zum Fang von Wildtieren. Besonders wichtig war ihm daneben aber auch der Greifvogelschutz in der Stadt.

 

Effektiv ist der Einsatz der Beizvögel zur Bejagung von Kaninchen. Hingegen ist das Bejagen und Vergrämen von Tauben wenig sinnvoll ebenso wie die Jagd auf Rabenkrähe und Elster. Zum einen gäbe es genügend wilde Greifvögel im urbanen Bereich und denen sei es auch nicht gelungen das Aufkommen dieser Vogelarten zu reduzieren; Probleme gäbe es mit diesen Vogelarten trotz des Vorhandenseins der wilden Artgenossen. Zu Bedenken sind auch die Verluste an abgetragenen, also ausgebildeten Greifvögeln durch große Glasfronten an Gebäuden in den sich häufig Bäume und Sträucher spiegeln so dass diese von den Beizvögeln nicht erkannt werden. Die Bejagung der Kaninchen am Boden birgt diese Gefahr hingegen deutlich weniger.

 

Bei verletzten Greifvögeln sind die Auffangstationen immer erste Anlaufstation; bei hilflosen oder scheinbar hilflosen Jungvögel müsse man differenziert vorgehen. Turmfalken sollten ebenfalls in die Aufzuchtstationen gebracht werden; junge Käuze hingegen belässt man am besten an Ort und Stelle und setzt sie auf einen Ast. Bekommt man so einen Vogel gebracht muss man immer fragen wo er gefunden wurde und bringt in möglichst an diesen Ort zurück.

 

Auch das richtige Auswildern will gelernt sein. Wanderfalken, Sperber und Habichte aus den Auffangstationen haben in der Regel keinerlei Flugmuskulatur und wenn sie noch nie selbstständig gejagt haben so muss ein geübter Falkner auch diese Ausbildung übernehmen. Die Greife müssen vor dem Auswildern mehrere Wochen trainiert werden. Bei Turmfalken geht das Auswildern leichter. Sie bleiben nach dem Öffnen der Voliere noch mehrere Tage in der Umgebung und nehmen das angebotene Futter an und verwildern sich selbst über einen längeren Zeitraum. Aasfresser wie der Mausebussard haben hingegen kaum Probleme, da sie viel einfacher mit geringem Aufwand Beute machen können.