Stadtjäger Modul 4 - Wildtierkrankheiten

Das Modul eröffnete Dr. Ingo Schwabe vom CVUA Stuttgart, den wir wegen der jährlich von den Chemischen und Veterinäruntersuchungsämtern (CVUA) Stuttgart, Freiburg, Karlsruhe und dem Staatlichen Tierärztlichen Untersuchungsamt Aulendorf - Diagnostikzentrum - veröffentlichten Wildjahresberichten angesprochen und zum Modul eingeladen hatten.

Zuerst stellte Herr Dr. Schwabe das CVUA Stuttgart und die Aufgaben der CVUAs in Baden-Württemberg vor. Im Bund seien diese Einrichtungen einmalig; zudem vom Land finanziert. Forschungsprojekte seien jedoch nicht vorgesehen und so sei man von den Proben abhängig, die bei den CVUAs kostenlos abgegeben werden. Will man die Todesursache wissen, so muss man dies auf den Proben angeben; ansonsten werden die Tierkörper als Kontrolltiere eingestuft und keine histologische Untersuchung, die Aufschluss über die Todesursache geben kann, vorgenommen.

 

„Wir verstehen uns als Dienstleistungs- und Kooperationspartner für Verbraucher und Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft - für Mensch und Tier - jung und alt. Durch unsere Tätigkeit sichern wir auch das Wohl der Generationen von morgen“ so Dr. Schwabe.

 

Zoonosen und Tierseuchen beim jagbaren Wild

 

Nach der WHO-Definition von 1958:  sind Zoonosen „Krankheiten und Infektionen, die auf natürlichem Wege zwischen Wirbeltieren und Menschen übertragen werden.“  Eine Seuche hingegen ist eine Infektionskrankheit mit gehäuftem Auftreten und der Tendenz zur Ausbreitung (altdeutsch: „siechen“) wobei zwischen einer Endemie (zeitlich unbegrenzt, räumlich begrenzt - z.B. Fledermaustollwut, Fuchsbandwurm in BW), einer Epidemie (zeitlich und räumlich begrenzt bei hoher Krankheitshäufung - z.B. EBHS, Staupe, Ebola) und einer Pandemie (zeitlich begrenzt, räumlich unbegrenzt bei hoher Krankheitshäufung - z.B. Geflügelpest, Spanische Grippe) unterschieden wird.

 

Als Infektionserreger unterscheide man zwischen subzellulären Infektionserregern (Viren, Prionen), einzelligen Infektionserregern (Bakterien, Pilze - Mykosen -, einzellige Parasiten - Protozoen- ), mehrzelligen Infektionserregern und höheren Parasiten (Würmer = Helminthen, Gliedertiere = Arthropoden) unterscheide.

 

Eine Infektionskrankheit wird durch einen Erreger verursacht und kann ansteckend (z.B. Influenza) oder auch nicht ansteckend (z.B. Malaria) sein. Nur wenige Infektionen führten zur Erkrankung. Infektionen lösen, außer bei Prion-Erkrankungen eine Abwehrreaktion (Immunreaktion) aus.

 

Im Einzelnen ging Dr. Schwabe auf die Pockeninfektion durch das Pockenvirus, die Tularämie (Hasenpest verursacht durch Francisella tularensis), das Prionen-Protein (bekannt durch die BSE -Krise) und das Corynebacterium diphtheriae ein und erläuterte den Unterschied zwischen einer Bakterien- und einer Eukaryontenzelle. Über Platt-, Rund- (Spul-) und Bandwürmer mit Schwerpunkt kleiner Fuchsbandwurm kam Dr. Schwabe schließlich auf die Gliedertiere zu sprechen. Gerade die Räudemilbe sei bei Stadtfüchsen gehäuft zu beobachten. 

 

Den Abschluss bildete ein Appell an die Verantwortung der Jäger und besonders der Stadtjäger, die häufiger mit krankem Wild in Berührung kommen werden im Hinblick auf melde- und anzeigepflichtige Krankheiten. Er, Dr. Schwabe, freue sich auf die Zusammenarbeit mit den künftigen Stadtjägern, da über diese sicherlich ein besseres Bild über den Gesundheitszustand der Wildtiere im urbanen Bereich gewonnen werden könne. 


Wildtierkrankheiten - Erreger- und nichterregerbedingte Krankheiten

 

Dr. Christof Janko erweiterte das Bild der Wildtierkrankheiten über die Infektionen (mit Bakterien, Viren, Parasiten und Pilze) auch auf die nichterregerbedingten Krankheiten durch Unfälle / Verletzungen, Vergiftungen, Tumore / Geschwülste / Stoffwechselerkrankungen und durch Wilderei.

 

Tollwut, Staupe, Myxomatose, Afrikanische Schweinepest und Calici-Virusinfektionen (European Brown Hare Syndrome = EBHS, Rabbit Hemorrhagic Disease = RHD) waren seine Vortrags-Schwerpunkte bei den Virenerkrankungen, bei den durch Bakterien verursachten Erkrankungen zeigte er Befunde von Brucellose und Tularämie.

 

Die Häufigkeit der Verbreitung von Räude und Fuchsbandwurm seien zwischen Land- und Stadtfuchs sehr unterschiedlich und in den letzten Jahren deutlich am Steigen; auch nehme die Häufigkeit der durch den Fuchsbandwurm übertragenen Echinokokkose beim Menschen zu.

 

Mit anschaulichen Bildern wurden weitere Infektionen und nichterregerbedingte Krankheiten besprochen. Abschließend richtete sich der Appell von Christof Janko an den Selbstschutz wenn man zu einem Stück Fallwild oder krankem Tier gerufen wird. Handschuhe, Mundschutz ggf. Schutzkleidung (die man auch verbrennen kann) gehören zur Standardausrüstung eines Stadtjägers.  Da die Übertagungswege nicht immer sofort erkannt und einer Krankheit zugeordnet werden können sei ein umfassender Schutz zwingend geboten. Dr. Janko verwies auch nochmals auf die Ausführungen von Uwe König zum Gebrauch von Messern und anderen Hilfsmitteln bei krankem Wild sowie bei dessen Transport in speziell zugeordneten Transportwannen und stets außerhalb eines Fahrzeugs!

 

Die inneren Organe - Indikatoren für den Gesundheitszustand eines Wildtieres

 

In der Mittagspause des Moduls hatten wir die Möglichkeit, die inneren Organe, freilich nur von gesunden Wildtieren, in Augenschein zu nehmen. Fuchs, Kaninchen, Marder, Rabenkrähe und Ente wurden von Christian Isele im Hof der Tagungsstätte fachgerecht aufgebrochen und die Merkmale krank bzw. gesund erläutert.

 

Text und Fotos. Hans-Ulrich Endreß

 

 

 

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