RHM Modul Anschussseminar

Jeder Schuss wird nachgesucht! Aber mit welchem Hund? Was sagen uns die Zeichen am Anschuss?
Diese Fragestellungen waren der Schwerpunkt des Anschussseminars in Äule am Schluchsee.

Am 1. Juli war der Jagd - Natur - Wildtierschützerverband mit dem Revierhegemeisterkurs bei der Schweißhundestation Südschwarzwald (http://www.schweisshundestation-suedschwarzwald.de/).    Hubert Kapp und Stefan Mayer referierten abwechselnd und hatten sichtbaren Spaß „alte Zöpfe abzuschneiden“ *) während Michael Steiert die Anschüsse für den praktischen Teil vorbereitete.

 

Die Nachsuche ist für den Schützen wohl der unangenehmste Teil bei der Jagd. Andere Jäger leben dafür und stellen sie über andere Arten der Jagdausübung. Aus Tierschutzgedanken sind das Beherrschen der Nachsuche, das Erkennen von Pirschzeichen, von Eingriffen und Ausrissen und das Führen von speziell ausgebildeten Schweißhunden untrennbare Bestandteile jeglicher Jagdausübung. Und wie gesagt: Jeder Schuss wird nachgesucht!

 

  Der Theorieteil gliederte sich in die Abschnitte: **)

 

  • Vor dem Schuss
    „Die erfolgreichste Nachsuche ist die, die gar nicht erst entsteht“. Nur der Kammerschuss auf mehr oder weniger breit stehendes Wild ist wirklich fach- und tierschutzgerecht und birgt das geringste Nachsuche-Risiko. Man merke sich seinen Standort bei der Schussabgabe und präge sich Landmarken ein. Das erleichtert später den Anschuss zu finden und die Trefferlage zu bestimmen. Moderne (!) bleifreie Munition verlängert die Fluchtstrecke nicht. Mangelnde Schießfertigkeit und ungeeignete Munition ist nicht waidgerecht.

  • Verhalten im Schuss
    „Im Moment der Schussabgabe muss der Schütze hochkonzentriert sein und eine Fülle von Informationen verarbeiten“.

    -        Wo bin ich abgekommen?
    -        Wie hat das Stück gezeichnet? - Augen beim Schuss offen halten!
    -        Wie und wohin sprang das Stück ab? - Gut hinschauen und genau horchen!

    Treffersuche „Kugelschlag und Kugelriss lassen oft falsche Schlüsse auf den Treffersitz zu“. Ein Kugelschlag entsteht immer, egal wo die Kugel auftrifft! Findet sich ein Kugelriss, so ist das kein Hinweis darauf, dass der Schütze gefehlt hat.

  • Ruhe nach dem Schuss
    „Liegt das beschossene Stück nicht in Sichtweite, so halten viele Schützen die Ungewissheit nicht aus und eilen sofort zum Anschuss - vieles spricht dagegen“. Nach dem Schuss in Ruhe abwarten (Zeit hängt davon ab wie man glaubt abgekommen zu sein) und dann laut zum Anschuss gehen damit weiteres Wild nicht schreckt.

  • Schweiß sagt nicht alles
    „Der Schweißart und -menge, egal ob Wildbret-, Lungen- oder Leberschweiß wird häufig eine viel zu große Bedeutung zugemessen“. Schweiß ohne weitere Bestandteile sage nichts über die Trefferlage aus, so Stefan Mayer. Anhand eines Schemas wurde den Teilnehmern gezeigt wie sie erkennen können, ob sie selbst nachsuchen können oder besser einen Schweißhundeführer beauftragen. Diese Entscheidung ist unwiderruflich zu treffen, um die Schweißfährte nicht unnötig zu stören. Dabei ist ein Abbruch der Suche mit einem eingearbeiteten Jagdhund noch nicht das eigentliche Problem; erst eine Fehlhetze - wenn der Hund erfolglos geschnallt wurde - macht die anschließende Nachsuche mit dem Spezialisten zur Herkulesaufgabe.

  • Im Dunkeln tappen
    „Nachsuche ist keine Nachtsuche“ oder „Nur Tageslicht ist Nachsuchenlicht“ waren die Merksätze. Davon ausgenommen sind nur kurze Totsuchen, die klar aus dem Anschuss erkennbar waren. Ebenso darf ein Hund nicht in der Dunkelheit geschnallt werden denn hier ist er dem annehmenden Wild unterlegen.

  • Hetze oder nicht?
    „Viel zu häufig wird in der rauen Praxis viel zu früh geschnallt“ so Mayer, „entweder aus Bequemlichkeit oder aus Hilflosigkeit“. Nur wenn das sichtbar verletzte Stück hoch wird ist eine Hetze mit einem hatzstarken und wildscharfen Hund angesagt.

 

Im Praxisteil ging es dann hinaus ins Revier wo Michael Steiert die Anschüsse vorbereitet hatte. Es wurden Gruppen gebildet und jede Gruppe hat die Chance und die Aufgabe den Anschuss zu finden und anhand der Pirschzeichen die Trefferlage zu bestimmen. Wie viel man finden kann wenn man es finden will und nicht nur schaut wurde den Teilnehmern deutlich. Es wurde aber auch erkannt, dass Teile des Anschusses mit der Zeit von Nacktschnecken, Ameisen, Fluginsekten aber auch von Mäusen weggetragen oder verspeist werden. Pirschzeichen sollten daher nach einer bestimmten Wartezeit nach dem Schuss aufgesammelt werden wobei der Fundort zu verbrechen ist.

 

Am Ende des Seminars resümierten die Teilnehmer ihre neuen Erkenntnisse und nach der Erfüllung ihrer Erwartungen befragt waren diese meist bei weitem übertroffen. Anerkannte Schweißhunde-führer lernten für die eigene Arbeit und wer einen eigenen Gebrauchshund hatte bekam mehr Sicherheit für die Entscheidung „selbst nachsuchen oder einen Spezialisten hinzuziehen“.

 

Mit den Revierhegemeister Kursen werden wir sicherlich wie in den Vorjahren auch das Anschuss-seminar der Schweißhundestation Südschwarzwald besuchen. Unser Dank gilt besonders Hubert Kapp, Stefan Mayer und Michael Steinert. Dieter Thoma, der auch zum Team gehört, war an diesem Tag im Einsatz, auf der Nachsuche.

www.kosmos.de/buecher/ratgeber/jagd/jagdpraxis-hege/6533/schuss-und-anschuss

 

  *) Alte Zöpfe sind altbekannte, aber veraltete und nicht bewiesene oder falsche Regeln, Lehren oder Verhaltensweisen (s.u.).

 

**) Die Gliederung ist der Nachsuchen Serie wildundhund.de/nachsuche-9096/ entnommen.

 

Hier ein Auszug aus dem Register „alte Zöpfe“:

  1. Bei der Schussabgabe ist die Trägerstellung wichtig und zwar so, dass bei Bewegung des wildes die Decke den Ein- bzw. Ausschuss nicht verdeckt und somit kein Schweiß austritt.
    > Ob Schweiß austritt oder nicht ist völlig unabhängig von der Trägerghaltung.

  2. Die Flucht erfolgt in die Richtung in die das Haupt des Wildes bei Schussabgabe gezeigt hat.
    > Die Fluchtrichtung kann in keiner Weise vorhergesagt werden. Häufig flüchtet Wild dort hin wo es Deckung findet

  3. Aus der Art wie das Wild im Schuss zeichnet kann man sicher den Treffersitz ableiten.
    > Es ist bekannt, dass man entweder dem Schmerz ausweicht oder sich zum Schmerz hin krümmt; aber eine klare Zuordnung zum Treffersitz ist nicht gegeben.

  4. Ist eine Sau getroffen, so klappt der Pürzel nach unten.
    > das ist völlig unbewiesen; es gibt dazu keine Dokumentation: und wer sieht das schon

  5. Hört man einen Kugelschlag, so wurde das Wild getroffen.
    > Den Kugelschlag kann man hören aber er tritt immer auf, wenn eine Kugel einschlägt.

  6. Findet man einen Kugelriss, so wurde das Stück gefehlt (keine nachsuche erforderlich).
    > Ein Kugelriss kann durch den Ausschuss aber auch durch Knochensplitter entstehen und ist niemals ein Hinweis auf einen Fehlschuss (Nachsuche ist in jedem Fall zu machen!

  7. Ein Trägerschuss ist waidgerecht und Wildbret-schonend.
    > Trägerschüsse sind nicht Tierschutz-gerecht und auf jeden Fall zu unterlassen!
Zurück zur Übersicht