Revierhegemeister zu Gast im Naturzentrum Rust

Alexander Schindler, Leiter des Naturzentrums Rheinauen der Gemeinde Rust und Rheinauen Ranger war unser Referent und Gastgeber für das Revierhegemeister Modul Naturschutz am 30. September 2017.

  • Alexander Schindler

    Alexander Schindler

Im theoretischen Teil gab Alexander Schindler einen Überblick über das Gesetz des Landes Baden-Württemberg zum Schutz der Natur und zur Pflege der Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG)*) und die über die Naturschutzstrategie des Landes Baden-Württemberg **). Nach der Vorstellung der drei Verwaltungsebenen der Naturschutzverwaltung von Baden Württemberg (oberste Naturschutzbehörde: Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft - die vier Regierungspräsidien (Stuttgart, Karlsruhe, Freiburg und Tübingen) als höhere Naturschutzbehörden - und die unteren Naturschutzbehörden (35 Landratsämter und die Bürgermeisterämter der neun Stadtkreise in Baden-Württemberg) ging Alexander Schindler auf die Definition der „Biologischen Vielfalt“ ein:  Die Naturschutzstrategie Baden-Württemberg verfolge das Ziel, die biologische Vielfalt in Baden-Württemberg zu erhalten. Der Begriff Biologische Vielfalt oder Biodiversität stehe als Sammelbegriff für 1. die Vielfalt der Ökosysteme (dazu gehören Lebensgemeinschaften, Lebens-räume und Landschaften),  2. die Artenvielfalt und 3. die genetische Vielfalt innerhalb der Arten.

 

„Für den Menschen ist die biologische Vielfalt ein Garant für Lebensqualität und eine der wichtigsten Lebens- und Überlebensgrundlagen. Dank ihrer intakten Biodiversität kann die Natur Ökosystem-leistungen wie frische und saubere Luft liefern. Diese lebenswichtigen Dienstleistungen schützen den Menschen. Gleichzeitig sichern sie unseren Lebensunterhalt durch wirtschaftliche Nutzung wie in der Land- und Forstwirtschaft. Die Vielfalt der Natur ist Vorbild für technische Innovationen: Über 40 Prozent des weltweiten Handels-volumens basieren auf der Nutzung natürlicher Lebensgrundlagen und damit auf der biologischen Vielfalt. So sind zahlreiche Erfindungen in der Natur abgeschaut (Bionik) und rund 20.000 Pflanzenarten werden weltweit für Arzneien verwendet“ so Alexander Schindler.

 

In Baden-Württemberg sind elf anerkannte Naturschutzvereinigungen und -verbänden aktiv wobei. Als Mitglieder im Landesjagdverband gehört auch der Jagd - Natur- Wildtierschützerverband und damit auch wir Wildtierschützer zu den Aktiven in Sachen Naturschutz. 

 

Als Jäger und Naturschützer können wir einen wesentlichen Beitrag zur Erhaltung der Biodiversität leisten und der Bedrohung der biologischen Vielfalt entgegenwirken. Wir Jäger machen dies fast täglich aus unterschiedlichen Beweggründen, jeder in seinem Revier.

 

Alexander Schindler erklärte dann die unterschiedlichen Schutzgebiete nach Schutzzweck Rechtsgrundlage und zuständiger Verwaltungsebene. Naturschutzgebiete seien per Gesetz am strengsten geschützt; hierzu zählt auch der Nationalpark Schwarzwald aber auch viele andere kleinere und weniger bekannte Naturschutz- und Biosphärengebiete. Landschaftsschutzgebiete, Naturdenkmale, gesetzlich geschützte Biotope, FFH- und Vogelschutzgebiete sowie Ramsar-Gebiete sind weitere Arten von Schutzgebieten. Den niedrigsten Schutzstatus haben Naturparke und Waldnaturschutzgebiete, die aber für die Erholungseignung und die Regionalentwicklung bzw. für die Erforschung von natürlichen Kreislauf- und Entwicklungsprozessen im Wald Ökosystem- und Artenschutzfunktion erfüllen.

 

Auf das Deutsch-französische Ramsar-Gebiet Oberrhein / Rhin supérieur ging Alexander Schindler besonders ein, da die taubergießen zu diesem Ramsar-Gebiet  gehören.

 

Am Nachmittag ging es dann hinaus in die Rheinauen Taubergießen, ein Stück Auwald am Mittelrhein geprägt von regelmäßigen Überflutungen und extensiver Weidewirtschaft. Der Name Taubergießen leitet sich ab von Nährstoffarmen „tauben“ Quelltöpfen „Gießen“, die z.B. die taube Elz speisen. Der Taubergießen besteht aus zwei unterschiedlichen Landschaftstypen: westlich des Tullaschen Hochwasserdamm der Überflutungsbereich des Rheins mit seinen Altwassern und den urwaldähnlichen Auenwäldern aus Eichen, Ulmen, Silberweiden und Silberpappeln und östlich davon eine liebliche Wiesen,- Hecken- und Wasserlandschaft, deren Flussläufe jedoch keine Verbindung mehr zum Rhein haben (http://www.taubergiessen.com/).

 

*) www.landesrecht-bw.de/jportal/ **) www.baden-wuerttemberg.de/fileadmin/redaktion/dateien/Altdaten/202/Naturschutzstrategie_BW_2020.pdf **) www4.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/240752/naturschutzstrategie_kurzfassung.pdf

 

 

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