Baum des Jahres 2018: die Esskastanie - (Castanea sativa) auch Edelkastanie

„Ich freue mich, dass die Wahl zum Baum des Jahres 2018 auf die Ess-Kastanie gefallen ist, um auf Nutzen und Gefährdungen dieser Baumart hinzuweisen, so Peter Hauk MdL, Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg, der die Baumpatenschaft für die Esskastanie als Baum des Jahres übernommen hat, so die Verlautbarung der Dr. Silvius Wodarz Stiftung, die bereits zum 30. Mal den Baum des Jahres kürte. (1).

  • Frucht der Esskastanie

    Frucht der Esskastanie

Wann die ersten Ess-Kastanien ihre Zweige in den Himmel des heutigen Deutschlands reckten ist nicht sicher überliefert. Die Griechen etablierten den Baum im Mittelmeerraum, bereits in der Bronzezeit fanden sich Anbaugebiete in Südfrankreich. Gut möglich, dass die eine oder andere Ess-Kastanie sich schon damals über Handelsrouten nach Germanien verirrt hat. Die Römer brachten sie  schließlich vor rund 2000 Jahren über die Alpen, erkannten die günstigen botanischen Voraussetzungen und etablierten die Art besonders entlang des Rheins, der Nahe, der  Mosel  und  der Saar. Fortan waren Weinbau und  Ess-Kastanie nicht mehr voneinander wegzudenken: Aus dem gegen Verrottung erstaunlich resistenten Kastanienholz fertigten Winzer Rebstöcke – meist wuchs der Ess-Kastanienhain direkt oberhalb des Weinbergs. Das Holz  erwies sich weiter als brauchbares Material für den Hausbau, Fassdauben, Masten, als Brennholz und Gerberlohe (2)

 

Im Mittelalter spielten die Früchte regional eine wichtige Rolle, teils als regionales Nahrungsmittel („Brot der Armen“), teils aber auch bis nach Holland und England gehandelte Delikatesse. Im 19. Jahrhundert erlebte die Nutzung der Kastanie wegen ihres hohen Gerbstoffgehalts nochmals eine kurze Blüte. Vor allem nach dem zweiten Weltkrieg wurden dann aber mit dem Rückgang des Brennholzbedarfs viele Kastanienbestände in Nadelbaumflächen umgewandelt.

 

Heute sind die äußerst schmackhaften Maroni, der Fruchtform der Edelkastanie, als Delikatesse nicht mehr wegzudenken, prägen Sie doch vor allem in der Winterzeit die Weihnachtsmärkte. Die Maronen werden aber auch sehr gerne von unserem heimischen Reh- und Schwarzwild geäst. Vom Pfälzer Wald wird berichtet, dass der Schwarzwildbestand in der Reifezeit der Maronen fast vollständig in den südlichen, von Esskastanien bewaldeten Teil, abgewandert sei und erst nach der Mast wieder in den nördlichen Teil zurückkehrte (wobei einige Schwarzkittel auf diese Wanderung auf der Strecke geblieben seien).

 

Aber abgesehen davon ist die Edelkastanie waldbaulich in Zeiten des Klimawandels äußerst interessant. Nach Sturm Lothar hat sie erfolgreich und kostengünstig viele entstandene Kahlflächen besiedelt. Mit ihren hohen Zuwachsleistungen ist Sie als Energielieferant, aber auch als Wertholzlieferant eine äußerst attraktive Baumart. Zudem findet Sie in der Landschaftspflege, der Imkerei und wegen ihrer neu erkannten hohen Wertigkeit für den Artenschutz viele weitere Fürsprecher. Somit ist sie ein Beleg für die erfolgreiche Einbürgerung einer neuen Baumart in wirtschaftlicher und ökologischer Hinsicht (3).

 

Das Splint- und Kernholz ist farblich deutlich voneinander abgesetzt. Das schmale, oft nur 2 bis 5 Jahrringe breite Splintholz ist gelblichweiß gefärbt; das Kernholz von gelbbrauner bis dunkelbrauner Farbe, nachdunkelnd und dem Eichenholz sehr ähnlich. Grobporig und mit markanter gestreifter bzw. gefladerter Zeichnung und damit sehr dekorativ.

 

Das Holz der Edelkastanie ist mittelschwer und ziemlich hart und weist gute Festigkeits- und Elastizitätseigenschaften auf. Zwar etwas stärker schwindend, jedoch nach der Trocknung mit befriedigendem Stehvermögen. Mit allen Werkzeugen gut zu bearbeiten. Die Behandlung der Oberflächen bereitet mit den üblichen Holzbearbeitungswerkzeugen keine Schwierigkeiten. Der Witterung ausgesetzt mit hoher natürlicher Dauerhaftigkeit. Ebenso in ständigem Wasser- und Erdkontakt sehr dauerhaft. Damit ähnelt das Holz der Kastanien bzw. Edelkastanien in seinen Eigenschaften der Eiche, wobei sie aber ein etwas schnelleres Wachstum als die Eiche aufweist. Gefährdet wird der Bestand der Kastanien und Edelkastanien durch den Kastanienbohrer, aber auch die so genannte »Tintenkrankheit« (eine Pilzerkrankung), die den Stammfuß befällt, gefährden den Baum. Eine weitere Krankheit stellt der Befall mit Kastanien-Rindenkrebs dar, der auch die Stockausschläge befällt (4).

 

(1) Webseite Baum des Jahres
(2) Pressemitteilung Baum des Jahres
(3) Die Baumkönigin 2018
(4) Das Holz der Esskastanie

 

 

Modifiziert nach https://www.baumportal.de/kastanie-esskastanie

Alternativ Name:Marone
Familie:Buchengewächse (Fagaceae)
Baumart:Laubbaum
Höhe:bis 30m
Blatt:Das Blatt der Esskastanie ist lederartig fest, länglich und dunkelgelb und bis 20 cm lang. Der Blattrand ist gesägt.
Blattstellung:wechselständig
Herbstfärbung:dunkelgelb
Blütezeit:Mai-Juni
Blüten: weiß, grünlich weiße Kätzchen, auffällig
Häusigkeit: einhäusig / getrenntgeschlechtig
Frucht: Die Nüsse in der stacheliger Fruchtschale sind essbar. Meistens sind zwei Kastanien in einer Fruchthülle.
Zweige: Die jungen Zweige sind filzig. Die Knospen sind rötlich und rundlich.
Rinde: grau - graugrün, erst glatt, später längsrissig
Wurzel: Tiefwurzler, starke Pfahlwurzel bildend, Wurzel über Traufe hinausragend
Standort: Sonne bis Halbschatten
Boden: sandig bis sandig - lehmig
pH-Wert:neutral bis sauer
Baumpflege:Gruppen - Einzelgehölz in Parkanlagen

 

 

Erstellt am 02.01.2018
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